Ich
traute meinen Ohren nicht. Es war eisigkalt an jenem Sonntag im April 2003. Wir
standen vor der unteren Halle. Die Schneeflocken flitzten an uns vorbei. Und
ausgerechnet unser vermeintlich größter Skeptiker sprach mich beiläufig an
„Warum baut ihr eigentlich für Miss Sophie keine Halle hier am Lillinghof !?!“
Wir hatten 1999 schon einen Versuch gestartet. Einen Antrag gestellt um Miss
Sophie am
Lillinghof
betreiben zu dürfen. Damals kam richtig Leben in den Verein. Zwar wollte man
drei verdiente Mitglieder, die treu ihre Dienste als Vorstandsmitglied,
Fluglehrer, Schlepppilot, Ausbildungs- und Werkstattleiter versahen, nicht
vergrämen. Andererseits steckte der Dorn, den eine Bürgerinitiative gegen
Fluglärm dem Verein eingezogen hatte, noch tief im Fleisch. Den damals
geschlossenen Frieden wollte man unter gar keinen Umständen aufs Spiel setzen.
Unsere
ganzen
Argumente wie Oldtimer, Rarität, Bereicherung usw. halfen nichts. Spalteten den
Verein beinahe in zwei gleichgroße Lager.
Wir hatten damals unseren Antrag nach reiflicher Überlegung zurückgezogen. Nicht ohne unsere Konsequenzen zu ziehen.
Jetzt vier Jahre später, an diesem kalten Aprilsonntag, wird unser Weltbild schlagartig wieder gerade gerückt. Hut ab vor soviel Courage und Schwamm drüber über den ganzen Ärger.
Scheinbar
haben wir uns wirklich in den letzten Jahren anständig aufgeführt. Miss Sophie
besuchte in dieser Zeit häufig den Lillinghof. Stand zu Rundflügen zur
Verfügung. War bei jeder Veranstaltung zugegen. Egal ob an Kindernachmittagen,
Behinderten-Rundflugtagen, Fliegerfesten oder Flugtagen. Die Flugplatzbesucher
hatten sie offenbar schneller ins Herz geschlossen als die Vereinsmitglieder.
Und
so wurde unser zweiter Antrag ohne Gegenstimmen in der Mitgliederversammlung am
13. Juni 2003 angenommen.
Dem Vorhaben stand nichts mehr im Wege. Es begann die Zeit der Konzeption der Genehmigungsanträge, Angebotsanfragen und Konstruktion und vieler, vieler Besprechungen.
Der Platz den uns der Verein kostenlos zur Verfügung stellte ließ eine
großzügige Dimensionierung zu. So konnten noch zwei
weitere
Vereinsmitglieder gewonnen werden, die Platz für Segelflugzeuge bzw. Motorsegler
suchten. Trotzdem ist es unmöglich ein solches Projekt mit einer kleinen Truppe
komplett in Eigenleistung zu bewältigen.
Am 2. Juli war es dann soweit. Die Erdarbeiten begannen. Die beauftragte
Baufirma muss schnell und schmerzlich feststellen, dass der Boden am Lillinghof
nur aus Fels und Steinen besteht. So gestaltet sich der Erdabtrag und die
Schalungsarbeiten der Streifenfundamente schwieriger als angenommen.
Ab 2. August, nachdem der Innenbereich geschottert war, geht es für uns dann
richtig zur Sache. Innerhalb einer Woche wird die komplette Halle in Handarbeit
gemauert. Von einer handvoll Leuten werden über 40 Tonnen Steine bewegt,
unzählige Schubkarren Mörtel verarbeitet, Wasser geschleppt und Gerüste
montiert, versetzt und aufgestockt. Ich habe Muskeln gespürt von deren Existenz
ich bislang keine Ahnung hatte. Schwerlich zu beschreiben was mehr Schmerzen
bereitete. Der
Muskelkater,
die Füße, die wunden Stellen am Körper oder der Sonnenbrand auf den Schultern.
Aber es schweißt die Truppe zusammen, verhärtet den Körper und macht Herz und
Seele weicher.
Abgesehen von zwei ambulanten Krankenhausaufenthalten, Platzwunden, einer
Wadenverletzung, mehrerer Schürfwunden und einem angebrochenen Finger ist
eigentlich nichts Schlimmeres passiert.
Drei Wochen hatten wir für Mauerarbeiten angesetzt. Nach einer Woche war alles erledigt! Die nachfolgenden Arbeiten verzögerten sich etwas, weil niemand geglaubt hatte, dass wir innerhalb dieser kurzen Zeit mit dem Mauern fertig würden.
Bis Ende August wurden die Betonpfeiler und der Ringanker fertig gestellt. Der
Zimmermann konnte termingerecht am 30.August mit seiner Arbeit beginnen. Die
vormontierten Binder
waren
innerhalb eines Tages aufgestellt. Das Blechdach wurde zwei Tage später
angeliefert und montiert. Alle Arbeiteten standen unter hohem Zeitdruck. Wollten
wir doch unbedingt zum Tag der offenen Tür des Segelflug Club Lauf am 4.
September fertig werden.
Es ist uns tatsächlich gelungen. In den Abendstunden des 4. September wurde im
Rahmen unseres Jubiläumsflugtages das Richtfest der Miss Sophie Halle gefeiert.
Ingrid
und Linda hatten einen schönen Baum geschmückt. Im Beisein vieler
Vereinsmitglieder, Freunden und Oldtimer-Fliegerkameraden hielt bei einem
herrlichen Sonnenuntergang der Zimmermann hoch auf dem Baugerüst den
Richtspruch.
Der Sekt floss in Strömen. Von der Vorstandschaft und ganz besonders von
Wolfgang erhielten wir sehr wertvolle und geschichtsträchtige Geschenke bei
deren Übergabe nicht nur
bei
den Beschenkten das Wasser in den Augen stand. An dieser Stelle nochmals
herzlichen Dank.
Kurz nachdem sich der Trubel des Flugtages gelegt hatte ging es daran das Tor anzubauen. Eine Spezialkonstruktion aus heimischer Schlosserkunst und Hightech Verbundwerkstoffen. Ein wahres Meisterstück und wohl einmalig in seiner Zusammenstellung.
Und dann war es soweit.
Miss
Sophie wurde erstmals ihr neues Zuhause gezeigt. Richtig Majestätisch steht sie
in Ihrer neuen Behausung.
2005 geht es dann mit neuem Elan weiter mit Bodenverlegen, Verputzen und begrünen.
Vorab schon mal ein herzliches Dankeschön an alle Mitglieder des SFC – Lauf.
Auch an alle diejenigen die Lärm, Schmutz, Flurschäden und andere
Unannehmlichkeiten ohne zu Motzen ertragen haben. Ganz besonderer Dank gilt
natürlich den
aktiven
Helfern: Loni, Hermann, Walter, Horst, Willi, Heinz und Georg.
Ich freu mich schon auf jenen Tag an dem ich auf einer Bank vor der fertigen Halle sitze, den Sonnenuntergang genieße und sagen kann das Blut, Schweiß und Tränen sich gelohnt haben.
Thomas
PS: Die Bilder mögen ein bisschen den Eindruck vom Werden der neuen Heimstatt für Miss Sophie vermitteln.
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